Brave Art: Die Spiele sind eröffnet

Ich sitze in der Mensa, bin satt, eigentlich sollte es mir gut gehen. Tut es aber nicht. Ich schwitze noch nicht, aber im Licht der Wintersonne sehe ich meine Handflächen schon glitzern. Mein Herz rast noch nicht, aber es schlägt schon fester. Ich werfe noch einen Blick auf den Professor, den ich ansprechen möchte und frage mich: Wenn du jetzt schon kneifst, was soll dann überhaupt noch aus deinem Mut-Experiment werden? Einen Augenblick später stehe ich auf. Das bemerke ich mehr als dass ich es veranlasse. Und mein Verstand verpasst seinen Ausweg, denn auch zum Einfach-Weggehen hätte ich ja aufstehen können. Aber nun lege ich los.

Als ich ihn anspreche, sieht der Mann auf, der in seinem Alter mein Vater sein könnte. Meine Stimme klingt etwas sicherer als ich erwartet hatte, aber davon lasse ich mich nicht ablenken. Und dann frage ich ihn, ob er einen Moment Zeit habe, ich würde gern seine Meinung zu einem Spiel von mir hören, mit einer Hand ziehe ich bereits einen Stuhl an seinem Tisch zu mir.

„Jetzt lieber nicht.“ Manchmal bringen drei Worte das eigene Herz zum Beben. Aber meinst scheint einfach kurz weggegangen zu sein. Es ist raus. Er will nicht. Ich bin gescheitert. Aber ich fühle mich nur leer, nicht schlecht. Vielleicht hat mein Kopf schon begriffen, dass es nur darum ging, mir etwas zu beweisen.

Und siehe da, ich darf dennoch meine Idee vortragen, zumindest tue ich es einfach. Könne er nicht einschätzen, müsse er selbst probieren, klänge aber spannend und Neues sollte man immer probieren. Ab da suche ich einen Ausweg aus unserem Gespräch, ich will ihn nicht länger von seinem Essen abhalten und mich wahrscheinlich auch nicht länger von meiner kompletten Selbstkontrolle. Und er redet dennoch weiter, in knappen, bedächtigen Sätzen, die zwar auf sich warten lassen, aber immerhin. Ich merke: Wieder eine Situation, in der ich meine Klappe am besten halte. Nicht grundsätzlich, sonst wäre ich nie soweit gekommen, aber wenn ich etwas hören will, werde ich das von nun an auch tun: Hören.

Einen Wimpernschlag dieser Welt später laufe ich zur Bibliothek, um das hier zu tippen. Ich bin nicht mehr einfach leer, ich fühle mich leicht. Ich habe es getan. Und lebe. Es scheint zu stimmen, das was ich vor kurzem in einem Vortrag hörte: They can’t eat you. Mögen die Spiele beginnen!

Metawissen: Ich entwerfe Spiele. Solche, die Mut machen sollen. Deswegen lerne ich jetzt, meiner Angst ihren gierigen Arm auf dem Rücken zu verdrehen, und ihr sitzt in der ersten Reihe. ;)

Rixter heißt im bürgerlichen Leben Rico und beschäftigt sich seit Jahren bereits mit der Entwicklung von Spielen, die von gängigen Standards abweichen. Er war bereits während der Sommerwochen Gastautor auf Astkiefer.

Nachdenken No. 3 – Wölfe

Ich bin ein jedes Mal begeistert, wie gut sehr ansprechende Comics ganz ohne geschriebenes Wort auskommen. Zum Nachdenken über die freien Tage hier ein großartiger Kurz-Comic von Vera Brosgol.

What were you raised by wolves?
(Wie wärst Du, aufgezogen von Wölfen?)


Image © by Vera Brosgol.

(gefunden beim ebenfalls großartigen Jojo ;)

Nachdenken No. 2 – Sklaven

Es ist schon irre. In den Staaten beschweren sich unzählige Menschen darüber, kein neues iSpielzeug bekommen zu haben und beschimpfen via Twitter sogar ihre Eltern. Ersteweltsorgen vom Feinsten.

Wo das Zeug herkommt, darüber machen sich die wenigsten Gedanken. Ein guter Ansatz, sich erst mal bewusst zu werden, dass der Konsum unserer Zeit nicht mehr aus den Produktionsstätten Deutschlands bedient wird, bietet slaveryfootprint.org.

Ähnlich der Bemessung der CO2-Belastung eines jeden Vorgangs, kann man so seine individuelle Verstrickung in „Sklaverei“, der Ausbeutung von Niedrigstlohnproduzenten bilanzieren. Jedes T-Shirt, jede Creme wird ja irgendwo hergestellt. Und wenn man das Irgendwo recherchiert landet man zumeist bei üblichen Verdächtigen.

Sehr interessantes Tool, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Bei mir muss sich noch einiges tun (siehe oben)…

(via PolkaRobot)

Nachdenken

Wenn man gesellschaftlich legitimiert über den Not-Aus-Schalter der Beschleunigung stolpert und feststellt, dass es nichts schöneres gibt, als mal wieder nachzudenken…

Ein guter Start bietet der aktuelle Strip von Till, dessen Hempelchen & Pempelchen-Reihe inzwischen zu meinen Favouriten zählt.


Image under (cc) BY-NC-ND by Till Laßmann

(Vielen Dank!)

Think before QR!

Jedes mal wenn Sie einen QR-Code verwenden, ohne nachzudenken, stirbt ein Kätzchen.

Mit dieser ironischen Zuspitzung versucht Scott Stratten seine Mitbürger zum Nachdenken zu bringen. Think before you do! Denn QR-Codes auf Autobahn-Plakaten müssen nicht sein.

(Indiskret begeistert)

Interessiert ja auch keinen

Das sitzt. Hagen Rether besingt die Wahrheit und kaum etwas davon lässt sich leugnen. Interessiert ja auch keinen, das mit den Indern und den IPods. Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Na dann Prost!

(gesehen bei morgreens)

Versager

Ich bin weiß Gott nicht der erste, der über den neusten Streich von Everynone schreibt – und doch liegt mir das Video am Herzen. Weil sich seit Erfindung des Pausenhofs nichts daran geändert hat, dass es Mobbing gibt. Und der Mensch manchmal ein gar ekelhaftes Wesen ist.

(via Feingut)